[Ich wollt' ein Sträußlein binden]

[118] Ich wollt' ein Sträußlein binden,

Da kam die dunkle Nacht,

Kein Blümlein war zu finden,

Sonst hätt' ich dir's gebracht.


[119] Da flossen von den Wangen

Mir Tränen in den Klee,

Ein Blümlein aufgegangen

Ich nun im Garten seh'.


Das wollte ich dir brechen

Wohl in dem dunklen Klee,

Doch fing es an zu sprechen:

»Ach tue mir nicht weh!


Sei freundlich in dem Herzen,

Betracht' dein eigen Leid,

Und lasse mich in Schmerzen

Nicht sterben vor der Zeit.«


Und hätt's nicht so gesprochen,

Im Garten ganz allein,

So hätt' ich dir's gebrochen,

Nun aber darf's nicht sein.


Mein Schatz ist ausgeblieben,

Ich bin so ganz allein.

Im Lieben wohnt Betrüben,

Und kann nicht anders sein.


Quelle:
Clemens Brentano: Werke. Band 1, München [1963–1968], S. 118-119.
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Clemens Brentano
EAN 9783843001199, 274 Seiten

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